 |
6. Bericht der Austauschschülerin Katarina Schmidt aus den USA
Und schon wieder ist ein weiterer Monat vorbei. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit immer schneller vergeht, je näher das Ende meines Aufenthaltes kommt. Dieser Monat war sehr ereignisreich für mich. Ich habe viel von den USA gesehen und viel erlebt.
Mitte Januar waren an der Highschool die Midterms (Prüfungen). Vier Tage lang wird in bestimmten Fächern ein grosser Test geschrieben. Ich hatte Glück, da ich nur eine Midterm in Englisch hatte. Meiner Gastschwester Amanda ging es ähnlich. Mein Gastbruder Phil war allerdings mit drei dieser Tests gestraft. Für mich war es eine sehr schöne Woche, da ich ja fast vier Tage frei hatte. Allerdings war das Englisch Midterm nicht ganz ohne. Man kann es sich in etwa wie eine Kursarbeit vorstellen. Der einzige Unterschied ist, dass wir zwei Essays schreiben mussten und wir hatten nur drei Stunden Zeit dafür. Spätestens hier wird man wieder daran erinnert, wie die Schule in Deutschland wieder sein wird… Ich denke, ich habe mich aber ganz gut geschlagen.
Mein Gastbruder Phil hat in einem Theaterstück mit dem Titel “You could die laughing” mitgespielt. Es war eine Mord-Mysterie-Komödie. An diesem Theaterstück arbeiteten um die 100 Schüler (Bühnenbild, Licht- und andere Technik mit einbezogen) für anderthalb bis zwei Monate. Da war dann schon mal drei bis vier mal die Woche Probe angesagt. Ich bin zwar nicht vor Lachen gestorben, aber ich fand es ganz toll, wie das Stück umgesetzt wurde und welche Ausrüstung der Dramaclub hat. Phil war der Hausverwalter und war die einzige Person, die auf der Bühne gestorben ist. Und mit Respekt kann ich sagen, dass er das sehr gut gemacht hat.
Der Februar war für mich ein Reisemonat. AYUSA, die Partnerorganisation von Partnership International, der Organisation, mit der ich hier bin, hatte eine Orientierungs- und Informationsveranstaltung in San Francisco. Wir hatten die Möglichkeit, diese Veranstaltung zu besuchen, wenn wir wollten. Ich habe diese Chance ergriffen und bin am 6. Februar nach San Francisco geflogen, wo ich 20 weitere Austauschschüler, die ich schon in Deutschland kennengelernt hatte, wiedergetroffen habe. Für die nächsten drei Tage war San Francisco unser und wir hatten die Möglichkeit, eine Stadtrundfahrt zu geniessen und damit auch die Golden Gate Bridge aus der Nähe zu sehen. Das war aber nicht alles. Wir sind auch mit einer der berühmten Kabelstrassenbahnen gefahren. Ich stand sogar auf dem Trittbrett an der Aussenseite. Unsere Jungs hatten die „Ehre“ uns von der Mitte einer Kreuzung zu schieben, da wir einen Stromausfall hatten. Nicht jeder kann behaupten, dass er so eine Chance hatte… Ansonsten haben wir auch noch die Chinesische Neujahrsparade gesehen. Wir sind seit dem 7. Februar im Jahr des Affen und das haben wir auch zu spüren bekommen, als ganze Kampfsportklassen mit Affengesichter-Masken an uns vorbei gezogen sind. Wir haben diese drei Tage natürlich auch genutzt, um uns über unsere Erfahrungen zu unterhalten und ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich gehört habe, dass so einige ihre Gastfamilie gewechselt haben. Zwei Schüler, die ebenfalls über das Programm des Deutschen Bundestages hier waren, sind sogar schon vorzeitig nach Hause geflogen. Das ist sehr schade.
Nach einem schweren Abschied (bei welchem wir uns immer noch nicht einig waren, in welcher Sprache wir nun sprechen sollten…) ging es schon wieder nach Hause zu meiner Gastfamilie. Allerdings nicht für lange. Ich war gerade mal zwei Tage bei meiner Gastfamilie, als es auch schon wieder zum Flughafen ging. Dieses Mal zog es mich noch geschlagene 6 Stunden weiter als Californien: Mein Ziel war Honolulu, Hawaii.
Mit einem roten Umschlag bewaffnet, bin ich am Flughafen in Honolulu angekommen. Schon die erste Welle von Wärme lässt einen die Kälte und den Schnee der letzten Monate in Saratoga Springs vergessen. In unserer Gruppe waren wir 105 Austauschschüler aus über 20 verschiedenen Nationen. Erstaunlicherweise kam ein ziemlich grosser Teil aus Deutschland. Spätestens am zweiten Tag hat man die ersten Freunde gefunden. Ich kann jetzt behaupten, dass ich Freunde aus einer ganzen Reihe von Ländern unserer Welt habe, da zu den Nationen der Austauschschüler an meiner Schule noch Pakistan, Korea und Thailand hinzugekommen sind. Es war wunderbar, so viel Neues über andere Kulturen zu lernen. Und natürlich Hawaii zu geniessen.
Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Wir haben sehr viel gesehen. Oahu ist vielleicht nicht gerade die grösste der Inseln von Hawaii, aber es lohnt sich definitiv sie anzuschauen und zu erleben. Eine Inselrundfahrt, das Besteigen eines erloschenen Vulkans, die Besichtigung von Pearl Harbor, eine Katamaranfahrt und vieles, vieles mehr stand auf dem Plan. Neben all den Sehenswürdigkeiten gab es natürlich auch genügend Zeit, Einkaufen zu gehen und sich am Strand zu sonnen. Das einzige, was leider nicht möglich war, war schnorcheln zu gehen. Wir hatten geplant, in einer wunderschönen Bucht einen Nachmittag zu verbringen, aber da eine Quallenflut diesen Strand getroffen hatte, fiel der Ausflug leider aus. Ich habe diese sieben Tage sehr genossen und ich hoffe, dass die Freundschaften, die wir dort geschlossen haben, lange halten werden.
Zurück in Saratoga Springs war nichts mehr mit dem angenehmen Wetter. Schnee und Minusgrade können die noch so schöne Ferienlaune erst einmal wieder einfrieren lassen. Aber auch das vergeht. Spätestens, wenn es dann heisst, Snowboardfahren zu lernen.
Ich hatte mich im Herbst des letzten Jahres für einen Snowboardkurs bei unserem Ski- und Snowboardclub eingetragen. Für 6 Wochen im Januar und Februar standen zwei Busse zur Verfügung, die uns zu West Mountain brachten. Janina, die andere deutsche Austauschschülerin, und ich waren die einzigen, die Unterricht nahmen. Alle anderen waren schon firm mit ihrem Board oder Skiset. Ich habe also in einem mehr oder weniger Crashkurs Snowboarding gelernt und es hat sehr viel Spass gemacht. Man kommt dann schon mal mit einem ganzen Haufen blauer Flecke und ähnlichem nach Hause, aber das ist alles halb so schlimm, wenn man feststellt, dass man es endlich kann. Am letzten Tag bin ich dann so gut wie jede einzelne Piste, die West Mountain zu bieten hatte, runter. Auch wenn es manchmal noch in einer netten Landung auf dem Hintern endet, macht es doch riesigen Spass.
Langsam wird es auch hier in Saratoga Springs wärmer und jeder hofft auf einen baldigen Frühling. Allerdings steht das hier nicht ganz fest, da es immer mal vorkommt, dass es im April noch einen weiteren Schneesturm gibt… Wir werden ja sehen.
Mit freundlichen Gruessen,
Katarina Schmidt
|